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Ladesäulen und Diamanten

Von André Mundo @andre_mundo auf Twitter
28. Oktober 2016

15 CIOs diskutieren über die Blockchain

Die Blockchain demokratisiert – so fasst ein Teilnehmer des Workshop Blockchain für CIOs den disruptiven Charme der Technologie zusammen. Die Zugangshürde ist das Wissen über die Technologie, nicht Einfluss, Marktanteil oder Geld. Das Wissen über die Blockchain-Technologie zu erweitern war unser Ziel der vierstündigen CIO Learning Experience „Blockchain für CIOs“ des Netzwerkes CIONET (Link).

Aus meiner Sicht hat die Runde aus 15 CxOs das mit Bravour geschafft: Wir diskutierten vier Stunden engagiert und trotzdem fokussiert über die Blockchain-Technologie. Dirk Röder und Bosco Bellinghausen führten durch die Veranstaltung. Verschiedene Startups stellten ihre Anwendungsfälle und Herausforderungen vor.

Mehr als Bitcoin

Die bekannteste Anwendung der Blockchain-Technologie ist der Bitcoin, die Technologie ist Grundlage der Krytowährung. Die nach wie vor anonymen Gründer wollten in der Finanzkrise 2007/2008 eine Währung schaffen, die nicht von Menschen kontrolliert oder manipuliert werden kann. Informationen werden dank verteilter Datenhaltung und dezentraler Kryptografie valide und authentisch gespeichert.

Bitcoin rückt die Blockchain stark in die Nähe von Fintech. Das ist aber nur die Spitze des Eisberges, wie die Teilnehmer in der Diskussion bestätigten:

  • Der CIO eines Energieanbieters berichtete, dass das Rechnungshandling für Strom an der Ladesäule zurzeit noch teurer sei als die Stromkosten selber. Das Vertragshandling über die Blockchain könnte dies ändern. Ein Szenario dafür beschreibt Dirk in seinen Blog auf t3n.de.
  • Ein Teilnehmer der Allianz berichtete von der Blockchain-Initiative der Versicherungsbranche B3i. Die Teilnehmer der Initiative prüfen, ob mit der Blockchain-Technologie branchenweite Standards und Verfahren entwickelt werden können – als Grundlage für neue Geschäftsmodelle. Hier geht’s zur Pressemeldung der Allianz.
  • Das Unternehmen Everledger registriert Diamanten mit ihren individuellen Merkmalen direkt nach dem Schürfvorgang auf der Blockchain. Das Beispiel hat Bosco im Blog beschrieben.

Smart Contracts für das Geschäftsmodell der Zukunft?

Diese Beispiele beschreiben Anwendungen auf einer der heute existierenden Blockchain-Technologien, der Ethereum Blochchain: Sie erlaubt fälschungssichere Verträge für Wenn-Dann-Beziehungen, sogenannte Smart Contracts. Damit können Unternehmen Prozesse automatisieren und das Validieren und Authentifizieren von Daten sicherstellen. Das Technologiefeld ist aber noch viel größer und das ist zum heutigen Zeitpunkt eine der größten Herausforderungen.

Mich haben die sehr engagierten Diskussionen im Workshop beeindruckt: Meine Mit-Teilnehmer waren fachlich auf sehr hohem Niveau unterwegs und haben die Anwendungsfälle sehr fokussiert besprochen: Sie haben sehr genau unterschieden, was heute schon Realität ist, was in einem Jahr möglich sein könnte, und was absolute Zukunftsmusik ist. So entstanden offene Gespräch, in dem die Teilnehmer die Technologie ergebnisoffen auf Potenzial und Grenzen für den eigenen Anwendungsfall abklopfen konnten.

Root-Zertifikat = Vertrauen! 

Die Grenze setzt für einige Teilnehmer (im Moment noch) das initiale Vertrauen in die Blockchain:

Dirk Röder stellte als Anwendungsbeispiel den Grundbucheintrag für Immobilien vor: Statt Geldübergabe und Eigentumsübertragung Zug um Zug und mit einem Notar abzuwickeln, könnte die Blockchain das übernehmen. Einige Teilnehmer argumentierten, dass sie zunächst kein funktionierendes System wie das Grundbuch abschaffen würden.

In der Diskussion der zahlreichen Beispiele aus der Praxis zeigt sich, dass das Grundproblem das Root-Zertifikat ist: Wann wird ein „Ding“ zum ersten Mal digitalisiert? Und wer wird sich als Zertifizierungsstelle für Blockchain-Einträge etablieren und damit eine vertrauenswürdige Basis für die Technologie schaffen? Für digitale Güter ist das recht einfach; Güter in der realen Welt müssen dagegen eindeutig identifizierbar und beschreibbar sein – wie die Wohnung „genau dort“ oder der Diamant mit diesen und jenen Merkmalen. Könnte das zum Beispiel ein Geschäftsmodell für Banken werden? Wir werden sehen. "Der Anfang ist die größte Frage", sagte ein Teilnehmer treffend.

Das Fazit der Diskussion lässt sich schnell zusammenfassen: Nicht alle Themen sind für die Blockchain geeignet. Wir raten zum Ausprobieren: Prototypen bauen, sie testen, verbessern oder wegwerfen und neu bauen. Denn bei einem waren wir uns einig: Die Killer-App für die Blockchain-Technologie in Mitteleuropa steht noch nicht fest. Wir sind gespannt auf das Geschäftsmodell, das die Blockchain-Technologie massentauglich macht.